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Damen 50 wechseln die Sportart -- Auf dem Rad gen Ostsee

Wie sieht es aus bei Ihnen, bei euch – sind die neuen E-Bikes schon startklar?

Dann nichts wie auf nach Schleswig-Holstein! Diese Ecke Deutschlands wählen wir im Juli 2013 für ein kleines Jubiläum, unsere 5. Fahrradtour.

Das Auto bleibt zu Hause, die Anfahrt ist mit dem Zug geplant.

„Wähle Deutsche Bundesbahn und du kommst gar nicht oder verspätet an!“ Der gängige Slogan wird Wirklichkeit! Schon vormittags am Hauptbahnhof beginnt das Bahnchaos pur. Und warum muss dieser Zug heute ausnahmsweise schon in Harburg enden? Nicht vergessen, wir haben Fahrräder im Gepäck. Ein Fall für Vitamintropfen!

Langes Warten und Verwirrung dann in Hamburg; es geht nur um wenige Minuten, dass wir unser Etappenziel Flensburg gegen Abend überhaupt noch erreichen. Den Stadtbummel schenken wir uns, dafür reicht die Zeit jetzt nicht mehr. Trotz allem gut gelaunt strampeln wir schnurstracks gen Glücksburg. Immer am Rande der Flensburger Förde entlang, in der Abendsonne, begleitet von Segelschiffen auf dem tiefblauen Wasser, das ist ein herrliches Erlebnis! Genauso schön wie der Anblick des stilvollen, weißen Glücksburger Wasserschlosses, auf das wir vom Hotel aus schauen und das wir am nächsten Morgen besuchen.

 

Cappeln, Schleswig und Rendsburg sind die nächsten Tagesetappen. Das klingt so einfach und überhaupt nicht nach langen oder schwierigen Touren!

Vom Auto oder Motorrad aus erscheint die wellige Landschaft Schleswig-Holsteins überaus gefällig. Doch wer schon einmal dort in die Pedalen getreten ist, wird die körperlichen Anforderungen nachempfinden können, die uns diese Wege abverlangen. Vor allem die zwei „Nichtradprofis“ unter uns wähnen sich anfangs eher im Alpenvorland als im flachen Norddeutschland. Lange, quälende Anstiege führen schnell zu der Überzeugung: Wer sein Rad liebt, der schiebt.

Und lieber dem Navi oder doch den Schildern folgen? Da gehen die Meinungen manchmal auseinander. Den Ort GEIL umkreisen wir jedenfalls fahrend, schiebend und stöhnend mindestens ein Mal total! Wie geil ist das denn?

 

Sattgrüne Wiesen, bäuerliches Leben und saubere Ortschaften vermitteln ein Gefühl der heilen Welt. Genau wie die am Abend in aller Ruhe und Gemütlichkeit grillenden Segler am Kai in Cappeln an der Schlei. Ihre Einladung und der dunkel leuchtende Rotwein sind äußerst verlockend. Doch wir haben aus Bremen einen Auftrag mitgenommen: Auch ohne monatelange Voranmeldung im „besten Fischrestaurant des Nordens“ einen Tisch zu ergattern. Mit Zielstrebigkeit und etwas Glück genießen wir wenig später ein kulinarisches Highlight!

 

Die Gartenoase mit Strandkörben hätten wir im B&B der dritten Etappe nicht erwartet, aber gefunden mitten im „Blumenstädtchen“ Schleswig.

Tags darauf stehen wir unter der „Eisernen Lady“, dem Industriedenkmal Rendsburger Hochbrücke, und lassen die Züge hoch über unsere Köpfe hinweg donnern. 100 Jahre alt ist diese historische Eisenbahnbrücke über den Nord-Ostsee-Kanal mit ihrer Rarität, einer der neun Schwebefähren weltweit.

 

Landschaftlich schlichter und fahrtechnisch einfacher erweisen sich die kommenden Strecken. Von Rendsburg aus fahren wir immer am NOK entlang, der meist befahrenen künstlichen Wasserstraße der Welt. An Schafstedt vorbei begleiten uns die Schiffe bis zur beeindruckenden Schleuse Brunsbüttel, einem Publikumsmagneten.

Ein letztes Nachtlager in Glückstadt und am nächsten Morgen geht es per Elbfähre nach Wischhafen. Hier heißt es wieder Radeln bis zum Bahnhof Stade, wo uns ein weiteres Eisenbahnerlebnis erwartet: der im Fahrplanaushang aufgeführte Zug kommt nicht, es gibt ihn gar nicht!

Schließlich doch an der heimatlichen Schlachte angekommen, sagen wir nach einer spannenden, sonnigen Woche vorerst: Tschüß!  

Unser Geheimtipp unter den Quartieren ist dieses Mal „Kanal 33“ in Schafstedt: Wohnen in unterschiedlich gestalteten Zimmern - keines „von der Stange“ - im Garten große Tortenstücke verspeisen und dabei den vorbei gleitenden Hochseeschiffen nachschauen, das hat etwas!

Die Fähre ist dort wie überall am NOK umsonst. Sie bietet beim wiederholten Übersetzen ein hervorragendes Plätzchen in der untergehenden Sonne, verleitet den Kapitän zu Karussellfahrten und hilft so, sich in die Erinnerung der Anwohner als

„die Bremerinnen“ einzureihen.

 

In unserer Erinnerung wird auch immer die Begrüßung einer Einheimischen auf dem Deich nahe dem Kernkraftwerk Brokdorf bleiben:

„Was, eine ganze Truppe ohne ein einziges E-Bike? Das sieht man hier so gut wie gar nicht mehr! Eine schöne Fahrt wünsche ich!“

Die haben wir gehabt!

 

Barbara Harjes