Logo-Sued
Sie befinden sich hier: Start » Veranstaltungen » Berichte » Mallorca 2013

Mallorca 2013

 

Mallorca 2013

Wieso muss eigentlich jemand einen Bericht zur Tennisreise nach Mallorca schreiben? Und vor allem: WAS soll man schreiben?

Ich dachte immer, es wäre schon so oft über unsere Super-Saison-Vorbereitung berichtet worden, dass alle anderen Mitglieder des Vereins entweder genau wissen, was wir tun oder dem Bericht sowieso keinen Glauben schenken, da sie meinen: die Mallorca-Truppe spielt gar kein Tennis… Ich schreib hier jetzt mal für beide Seiten und jeder liest sich dann seine Wahrheit aus dem Bericht heraus – wie wär’s?

 

Wie jedes Jahr sind wir etwa 20 wahnsinnig motivierte Damen um die 40, die sieben Tage in der Sonne Mallorcas unter der fachkundigen Anleitung zweier exzellenter Trainer mindestens vier Stunden am Tag Tennis trainieren.

 Mallorca 2013

Selbstverständlich fliegen wir morgens um 6 Uhr nach Mallorca, stehen schon um 4 Uhr schlaftrunken in den heiligen Hallen des Flughafens und jedes Jahr stellen sich an diesem Punkt dieselben Fragen: Hat jemand an die Sektflaschen gedacht, sind die Sektbecher auch da? Wo sind die Knabberartikel? Was sagt die Gepäckwaage? Bleibe ich unter dem 23-Kilo-Limit? Sprengt unsere Gruppe das zulässige Gesamtgewicht des Fliegers? Wie viele Feuerzeuge bekomme ich durch die Handtaschenkontrolle? Habe ich genug Sekt und/oder Reisetabletten intus, um den unruhigen Flug zu überstehen? Käse- oder Wurstbrötchen? Whisky oder Spucktüte?

 

Ein Teil von uns ist sofort mit Betreten des mallorquinischen Bodens fähig, sich perfekt auf Spanisch zu verständigen, ein anderer Teil orientiert sich in den Tapas-Bars einfach an den Bildern auf der Speisekarte und ein weiterer Teil der Gruppe kennt nur die wichtigen Worte, die das Überleben sichern: Por favor, Sangria, Cerveza, Cuarenta y tres, Mezcla, Cardenal Mendoza, Cafe Carajillo, Cafe con leche und agua – gracias.

 

Jeden Morgen um 8 Uhr schlingen wir in Rekordzeit das wahnsinnig vollwertige Frühstück runter, damit wir auch ja pünktlich um 8.45 Uhr im Tennisdress zur Platzeinteilung parat stehen. Es folgen militärisch kurze Kommandozurufe, wer mit wem wo in zwei Minuten aufzulaufen hat (bloß nicht zeigen, dass man kurz unaufmerksam war – die Trainer könnten ja noch einmal Kontrollabfragen machen und man wüsste dann keine Antwort…). Nun erwarten uns wirklich harte Trainingseinheiten. Mir ist bis heute nicht ganz klar, ob die Anforderungen täglich gesteigert werden, oder es sich nur so anfühlt, weil wir schrittweise abbauen. Mal steht Beinarbeit im Vordergrund, dann doch wieder mentales Training (= völlig aufgedreht sollen wir in uns gehen), wenn das nicht klappt, wird Doppel geübt, wenn gar nichts mehr geht, Volley oder Aufschlag. Protest wird mega-hart mit vernichtenden Trainerblicken bestraft und kostet außerdem eine Runde extra. Ja, die Trainer müssen schon flexibel sein, denn jede noch so durchgeplante Trainingseinheit wird schon beim Einschlagen der Spielerinnen über den Haufen geworfen, wenn Unmengen an grundlegenden Defiziten sichtbar werden. Sie haben es schon nicht leicht mit uns…

 Mallorca 2013

Einige aus der Gruppe nutzen die wenige tennisfreie Zeit, um sich mental auf die nächste Trainingseinheit einzustellen oder sich von der letzten zu erholen – zeitweise sogar mit den berühmten Karpfen-Knabberfischen Garra Rufa – einerseits etwas ekelig, andererseits etwas kitzelig. Manche Mädels schaffen es sogar noch, entspannende Yoga-Stunden anzubieten beziehungsweise an diesen teilzunehmen. Zusätzlich gibt es noch die unerschütterlich schwimmenden Albatrossinnen, die jede freie Minute nutzen, zur Bucht zu sprinten und ins kalte Nass zu springen. Oder laufen sie vielleicht doch nur zum Strand, da dort die Sixpack-behafteten braungebrannten Beach-Volleyballer ein Turnier haben?

 

Es gibt bei uns jene Spielerinnen, die ein Buch zum Lesen dabei haben (u.a. mit dem Titel „Vergabe- und Vertragsordnung für Bauleistungen“!!!) und jene, die sich die Freizeit mit SMSen, Skypen oder WhatsAppen vertreiben. Manch eine wählt zum Relaxen eine Shoppingtour – sehr beliebt: Handtaschen einkaufen. Naturbegeisterte Wanderer dagegen wählen den steinig-beschwipsenden Weg zur Brandung – die einen kommen trocken wieder, die wirklich Mutigen klitschnass!

 

Wir haben Menschen dabei, die täglich an Ihrer Kohlenhydrat-Diät feilen und ebenso welche, die sich nur von frisch aufgebrühtem Ingwer-Tee ernähren. Wir haben eingefleischte Obst-/Salat-Fanatiker, Milchtrinker, Espresso-Süchtige und die Lammschulter-Fraktion.

 

Obwohl wir Nachteulen unter uns haben, die in der Disco abhotten, und nicht ganz so hibbelige Teilnehmerinnen, die einfach gemütlich an Tonys Bar sitzen, gibt es KEINE Spielerin, die je verschläft oder Trainingstermine verpasst!

 

Leider hat unsere Gruppe auch einen ständigen, unberechenbaren und so gar nicht beeinflussbaren Begleiter: das Wetter! (In diesem Jahr Sturmböen aus NNO.)

 

Aber wie in jedem Jahr haben wir unheimlich viel Spaß zusammen und freuen uns – egal, was kommen mag (Vulkanausbruch, Flugausfall, usw.) – immer schon riesig auf die nächste Reise!

 

 Text: Anna Brigitta  Kröff